Wieso sich ein Blick in die USA und nach China lohnt

Wieso sich ein Blick in die USA und nach China lohnt

von Stefan Buesser Kategorie Elektromobilität 08.11.2018
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Elektromobilität ist ein vielversprechender Wachstumsmarkt. Das beweist ein Blick auf Länder wie die USA und die Volksrepublik China, welche als Vorreiter in Sachen E-Mobilität gelten. Tesla, BAIC, BYD und Co. machen den altbekannten Autoherstellern Konkurrenz und treiben die Entwicklung neuer Elektrofahrzeuge sowie die entsprechende Infrastruktur mit rasantem Tempo voran.

Obwohl sich im Reich der Mitte immer mehr Menschen ein Auto leisten, besitzen von 1’000 Chinesen lediglich 75 Personen ein Fahrzeug. Dennoch sind momentan rund 163 Millionen Autos auf chinesischen Strassen unterwegs. Während in den Vereinigten Staaten auf 1’000 Personen fast zehn Mal so viele Autos kommen, gibt es aufgrund der beträchtlich kleineren Bevölkerungszahl rund 30 Millionen Fahrzeuge weniger.

Die vielen Autos und deren hohe CO2-Emissionen sind mit ein Grund, warum besonders die chinesische Bevölkerung seit Jahren von einer überdurchschnittlich hohen und gesundheitsschädigenden Feinstaubkonzentration in Schach gehalten wird. Auch deshalb plant China bereits seit einigen Jahren das grosse Potenzial ihres Automobilmarkts in eine vom westlichen Automarkt und Ölimporten unabhängige Richtung zu lenken. Auch die USA gelten mit innovativen Unternehmen wie Tesla als Vorreiter und zwingen die etablierten Fahrzeughersteller in die Elektromobilität zu investieren.

So sind heute rund 1.2 Millionen Autos mit batterie-elektrischem Antrieb, Range Extender und Plug-In-Hybride auf chinesischen Strassen unterwegs. Die seit Jahren steigende Anzahl von neu zugelassenen Elektrofahrzeugen lag in China im letzten Jahr bei 580’000. Die USA rangiert an zweiter Stelle mit insgesamt 750’000 Elektroautos und jährlichen Neuzulassungen von 195’000 E-Fahrzeugen. Zum Vergleich: In der Schweiz sind rund 14’500 Elektroautos zugelassen.

China als globaler Marktführer in der Elektromobilität
Der chinesische Automobilmarkt ist nicht nur der grösste der Welt, mittlerweile entfällt auch mehr als die Hälfte des globalen E-Mobility-Marktes auf die Volksrepublik. Dieses rasante Wachstum wird von der chinesischen Regierung seit Jahren mittels umfassender staatlicher Subventionen und rigider Gesetze gezielt vorangetrieben. So soll der Vorsprung bezüglich Produktion, Absatz und Technologie bei den Elektrofahrzeugen in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden. Schon heute ist es in chinesischen Grossstädten praktisch unmöglich, neue Nummernschilder für mit Treibstoff betriebene Autos zu erhalten. Ausserdem verbot die chinesische Regierung erst kürzlich den Bau von insgesamt 553 Automodellen, deren Benzinverbrauch nicht die staatlichen Vorgaben erfüllte. Ab 2019 sollen neu Produktionsquoten für E-Autos gelten, wonach jedes vierte, in China hergestellte Fahrzeug mit einem Elektromotor ausgestattet werden muss. So effektiv diese massive staatliche Förderung in China klingen mag, wirft ein solch extremer Top-Down-Ansatz auch Fragen bezüglich der Legitimität einer solchen staatlichen Zwangsausübung auf.

USA als Weltmeister bei nicht-monetären Anreizen in der Elektromobilität
Die USA gelten als Vorbild im Bereich der nicht-monetären Förderung von Elektromobilität. Dazu gehört der Ausbau von speziell markierten E-Parkplätzen, Sonderfahrspuren und Einfahrtsberechtigungen in Umweltzonen für Elektroautos. Diese Massnahmen haben eine alltägliche Sichtbarkeit und zusätzlich eine gesamtgesellschaftliche Wirkung. In den nächsten fünf Jahren sollen Fördergelder von rund 22 Millionen Euro die Umsetzung dieser indirekten Anreize sichern. Auch haben sich einige US-Bundesstaaten zur Verschärfung ihrer Emissionsbestimmungen entschieden und fördern den Kauf von Elektro- sowie Hybridfahrzeugen durch steuerliche Anreize. Verbesserungspotential besteht vorläufig noch bei der Verbreitung von Ladestationen, da diese in den Vereinigten Staaten regional extrem ungleich verteilt sind. Dennoch ermöglichen Initiativen wie der „West Coast Electric Highway“ schon heute, Elektrofahrzeuge alle 40 bis 80 Kilometer aufzuladen. Der Ausbau dieser Ladeinfrastruktur wird ebenfalls von Tesla vorangetrieben. Momentan hat der Konzern an 375 Orten Ladestationen aufgebaut, wobei eine baldige Verdoppelung geplant ist.

Reichweite und Preis als wichtigste Hebel bei der Entwicklung und Innovation
Da für die US-Amerikaner beim Kauf ihrer Fahrzeuge niedrige Anschaffungskosten und eine grosse Reichweite ausschlaggebend sind, hat sich die amerikanische Elektromobilindustrie zum Ziel gesetzt, dass Elektroautos bis 2020 preiswerter werden sollen. Schon heute sinken die Herstellungskosten aufgrund von sogenannten Skaleneffekten bei der Massenproduktion spürbar. Auch die Preise für Lithium-Ionen-Akkus sind innert der letzten sieben Jahre um 73 Prozent gesunken. Vieles bewegt sich im Bereich der Elektroautos nach vorne – unabdingbar für einen weltweiten Durchbruch von Elektrofahrzeugen bleiben jedoch regelmässige Fortschritte in der Entwicklung von kostengünstigeren E-Fahrzeugen mit grösserer Reichweite, sowie die Bereitstellung von zusätzlicher Ladeinfrastruktur.

Neuzulassungen der Elektroautos sollen in der Schweiz bis 2022 auf 15 Prozent erhöht werden
Der Markt für E-Fahrzeuge ist gekennzeichnet von rasantem Wachstum und ständiger Innovation. Die Volksrepublik China und die USA fördern E-Mobilität auf unterschiedliche Weise, haben aber beide grosse Erfolge zu verzeichnen. In Bezug auf die Förderung der Elektromobilität kann sich die Schweiz von beiden Ländern den grossen politischen Willen abschauen. Immerhin sind Vertreter der Elektrizitäts- und Mobilitätsbranche zusammen mit dem Bund, den Kantonen und Städten daran, eine Roadmap zu erarbeiten. Ziel ist es, den Anteil der Elektrofahrzeuge an den Neuzulassungen bis 2022 auf 15 Prozent zu erhöhen.

Welche Massnahmen sollte die Schweiz Ihrer Meinung nach ergreifen, um die Elektromobilität hierzulande zu fördern?

Facts & Figures USA Volksrepublik China Schweiz
Gesamtbevölkerung 328,4 Mio. (2018) 1,4 Mill. (2018) 8,5 Mio. (2018)
Bevölkerungsdichte 35,6 Einwohner/km2 (2017) 147,7 Einwohner/km2 (2017) 212,1 Einwohner/km2 (2017)
Fläche in km2 9,8 Mio. km2 9,6 Mio. km2 41’300 km2
Anzahl Strassenkilometer 6,6 Mio. km (2015) 4,6 Mio. km (2015) 71’540 km (2016)
Feinstaubkonzentration in urbanen Regionen/m3 Luft (Jahresdurchschnitt) 7,6 µ/m2 (2016) 51 µ/m2 (2016) 10,4 µ/m2 (2016)
Anzahl PWK’s auf 1’000 Einwohner 742 PKW’s/1’000 Einwohner (2014) 75 PKW’s/1’000 Einwohner (2014) 541 PKW’s/1’000 Einwohner (2015)
Anzahl Elektrofahrzeuge 750’000 Elektrofahrzeuge (2018) 1,2 Mio. Elektrofahrzeuge (2018) 14’500 Elektrofahrzeuge (2017)
Anzahl Neuzulassungen von E-Fahrzeugen pro Jahr 195’000 Neuzulassungen (2017) 580’000 Neuzulassungen (2017) 4’900 Neuzulassungen (2017)
Anteil an Weltproduktion von Elektrofahrzeugen 17% (2016/17) 43% (2016/17)
Anzahl Elektroladepunkte
(pro Ladestation gibt es oft mehrere Ladepunkte, beinhaltet auch Stationen von Firmen)
45’300 Elektroladepunkte (2017) 190’000 Elektroladepunkte (2017) 7’000 Elektroladepunkte (2017)

 

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